Handel
Handelsumsätze mit Statistik Austria auswerten: Monats- und Jahresdaten
Für laufende Umsatzvergleiche im Handel ist der Umsatzindex der Statistik Austria die zentrale Quelle: Er bildet die monatliche Umsatzentwicklung in Österreich ab und dient als Informationsquelle…
Was Statistik Austria zu Handelsumsätzen bereitstellt
Für laufende Umsatzvergleiche im Handel ist der Umsatzindex der Statistik Austria die zentrale Quelle: Er bildet die monatliche Umsatzentwicklung in Österreich ab und dient als Informationsquelle über die konjunkturelle Entwicklung. Der Index wird für Industrie und Bau (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008) sowie für Handel und Dienstleistungen (Abschnitte G, H, I, J, L, M – ohne Gruppe 70.1 bzw. Abteilungen 72 und 75 – und N der ÖNACE 2008) publiziert. Entscheidend: Der Bereich „Handel“ umfasst den gesamten Abschnitt G, also nicht nur den Einzelhandel. Wer Einzelhandelszahlen braucht, muss auf die eigenen Einzelhandelsergebnisse zurückgreifen, die Statistik Austria gesondert veröffentlicht.
Ergänzend liefert die Leistungs- und Strukturstatistik einmal jährlich Strukturdaten: Sie erlaubt Aussagen über Struktur, Tätigkeit, Beschäftigung, Investitionstätigkeit und Leistung der Unternehmen auf nationaler und regionaler Ebene, gegliedert nach Wirtschaftsbereichen entsprechend der ÖNACE 2008. Damit stehen zwei Werkzeuge mit unterschiedlicher Funktion gegenüber: Der Umsatzindex zeigt die kurzfristige Dynamik, die Leistungs- und Strukturstatistik die Zusammensetzung und Größenordnung der Branche.
Die Veröffentlichungspraxis trennt die Bereiche auch organisatorisch: Es gibt eigene Detailtabellen für Industrie und Bau, für den Handel und für Dienstleistungen, jeweils in der aktuellen Basisperiode. Für Handel und Dienstleistungen werden die Monatsergebnisse zusätzlich in eigenen Konjunkturdateien je Kalenderjahr geführt, daneben existieren Frühschätzungen für den vorläufigen Einzelhandel.
Monatsdaten aus dem Umsatzindex lesen
Die Monatsreihen erscheinen nominell, unbereinigt und zur Basis 2021 – in den Detailergebnissen etwa als Datei „Basis2021“, in den Grafiken als „Umsatzindex Handel (G), unbereinigt, Basis 2021“. Die aktuelle Basisperiode ist 2021: Das Umsatzniveau des Jahres 2021 entspricht dem Indexwert 100. Die veröffentlichten Veränderungsraten sind Vorjahresvergleiche, etwa „Umsatzindex für Handel (nominell, unbereinigt) Juni 2026 +7,6 % gegenüber Juni 2025“ oder „Umsatzindex für Industrie & Bau (nominell, unbereinigt) zu t+40 Juli 2026 +2,6 % gegenüber Juli 2025“.
„Nominell“ heißt: Werte zu laufenden Preisen, ohne Preisbereinigung. „Unbereinigt“ heißt: keine saisonale oder kalendermäßige Bereinigung. Für Auswertungen folgt daraus, Monatswerte nicht gegen den Vormonat, sondern gegen denselben Monat des Vorjahres zu stellen – der Vergleich Mai gegen Mai neutralisiert die typischen Saisonmuster, ohne dass man selbst rechnen müsste.
Für die Belastbarkeit einer Zahl ist der Reifegrad zu prüfen. Für den Einzelhandel publiziert Statistik Austria etwa 30 Tage nach Ende des Berichtsmonats vorläufige Ergebnisse; Ergebnisse für die übrigen Bereiche des Handels und für Dienstleistungen folgen etwa 60 Tage nach Ende des Berichtsmonats. Für Industrie und Bau gibt es nach 40 Tagen vorläufige Ergebnisse, nach 70 Tagen revidierte Werte und im September des Folgejahres endgültige Ergebnisse. Ein vorläufiger Wert kann sich also noch ändern – ein Vergleich zwischen zwei Monaten aus unterschiedlichen Reifegraden ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.
Wann mit welchen Zahlen zu rechnen ist
Als Faustregel für die Planung eigener Auswertungen gelten folgende Abstände zum Berichtsmonat: Einzelhandel rund 30 Tage nach Monatsende (vorläufig), übrige Bereiche des Handels und Dienstleistungen rund 60 Tage nach Monatsende, Industrie und Bau 40 Tage (vorläufig), 70 Tage (revidiert) und endgültig im September des Folgejahres. Wer Quartalsberichte oder Lieferantenverhandlungen vorbereitet, sollte die kürzere Frist für den Einzelhandel und die längere für Großhandel und Dienstleistungen getrennt einplanen.
Neben den Hauptreihen existieren Frühschätzungen: eine eigene .ods-Datei „Umsatz Handel & Dienstleistungen, vorläufiger Einzelhandel, unbereinigt“ für den jeweils aktuellsten Berichtsmonat. Diese Datei enthält nur den vorläufigen Einzelhandel und ist kein Ersatz für die vollständigen Konjunkturreihen, die je Kalenderjahr als eigene Tabellen („Konjunktur Handel Umsatz“ bzw. „Konjunktur Dienstleistungen Umsatz“ für die Jahre 2024, 2025 und 2026) abgelegt sind.
Für Einzelhandelszahlen mit Kommentar lohnt der Blick in die Presseinformationen: Statistik Austria veröffentlicht dazu PDF-Aussendungen, etwa zur Entwicklung im Mai 2026 oder – mit Stand der Aussendung vom November 2025 – zum Einzelhandelsumsatz im September 2025. Diese Aussendungen nennen den Datenstand ausdrücklich („laut vorläufigen Daten“), was für die zeitliche Einordnung von Zitaten wesentlich ist.
Veröffentlichungszeitraum und Reifegrad der Handelsumsatzdaten
- Einzelhandel (vorläufig)30 Tage nach Monatsende
- Übriger Handel & Dienstleistungen60 Tage nach Monatsende
- Industrie & Bau (vorläufig)40 Tage nach Monatsende
- Industrie & Bau (revidiert)70 Tage nach Monatsende
- Industrie & Bau (endgültig)September des Folgejahres
Jahresdaten mit der Leistungs- und Strukturstatistik auswerten
Die EU-weit harmonisierte Leistungs- und Strukturstatistik liefert die jährliche Struktursicht: Umsatzerlöse, Anzahl der Unternehmen, Beschäftigte und Arbeitsstätten, gegliedert nach Wirtschaftsbereichen der ÖNACE 2008 und auf regionaler Ebene. Die Ergebnisse dienen auch als Basisdaten für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts, für Input-Output-Tabellen und für Wirtschaftsprognosen. Für das Berichtsjahr 2024 weist die Übersicht 628 058 Unternehmen, 3 800 813 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt und Umsatzerlöse von 1 021 414 029 Tsd. EUR aus – Gesamtwerte über alle erfassten Wirtschaftsbereiche, nicht bloß für den Handel.
Für die Handelsauswertung sind vor allem drei Ergebnisgruppen relevant: Hauptergebnisse nach Umsatzgrößenklassen, Hauptergebnisse nach Beschäftigtengrößenklassen und der Vergleich der Daten mit dem Vorjahr. Damit lässt sich etwa prüfen, wie sich Umsatzerlöse über Größenklassen verteilen oder ob die Beschäftigtenzahl in einer Größenklasse stärker wächst als der Umsatz. Arbeitsstätten werden zusätzlich nach NUTS-3-Regionen und ÖNACE-2008-Abschnitten ausgewiesen, was regionale Standortvergleiche ermöglicht.
Vor jeder Auswertung ist zu klären, welche Einheit gemeint ist: Die Statistik führt getrennte Datensätze für statistische Unternehmen, rechtliche Einheiten und Arbeitsstätten. Eine Kennzahl kann je nach Einheit anders ausfallen; Reihen unterschiedlicher Einheiten dürfen nicht in einer Tabelle vermischt werden.
Jahresdaten 2024 – Leistungs- und Strukturstatistik (Handel)
- 3.800Beschäftigte (Jahresdurchschnitt)
- 1.021Umsatzerlöse
Reihen vergleichbar halten: Basisjahre und Brüche
Der Umsatzindex wird in mehreren Basisperioden geführt. Aktuell gilt die Basis 2021, die nächste Basisperiode wird sich auf das Jahr 2025 beziehen. Daneben sind historische Reihen verfügbar, unter anderem .ods-Dateien mit der Basis 2010 sowie STATcube-Auswertungen für die Basen 2015 und 2010. Ein Indexwert von 105 bedeutet in der Basis-2021-Reihe etwas anderes als in der Basis-2010-Reihe; Werte aus unterschiedlichen Basisperioden dürfen daher nie direkt nebeneinandergestellt oder zu einer langen Reihe verknüpft werden, ohne die Umrechnung offenzulegen.
Auch die Jahresdaten haben einen dokumentierten Bruch. Rechtsgrundlagen sind auf europäischer Ebene die Verordnung (EU) 2019/2152 über europäische Unternehmensstatistiken sowie die nationale Leistungs- und Strukturstatistik-Verordnung 2022; diese bedingen konzeptionelle Änderungen ab dem Berichtsjahr 2021. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2021 sind mit den Vorperiodenergebnissen (Berichtsjahr 2020 und früher) daher nur bedingt vergleichbar. Wer Zeitreihen über 2020 hinaus zieht, muss diesen Bruch ausweisen.
In der Praxis zeigt sich das in der Datenbankstruktur: STATcube enthält für die Leistungs- und Strukturstatistik getrennte Einstiege für „ab 2021“ und für den Zeitraum „bis Berichtsjahr 2020“ (Unternehmensdaten ab 2008). Für den Umsatzindex existieren eigene STATcube-Einstiege je Basis. Eine Auswertung beginnt deshalb sinnvollerweise mit der Frage, welcher Zeitraum abgedeckt werden soll, und wählt danach die passende Datenbank.
Reihenvergleich: Basisperioden des Umsatzindex
- Aktuell: Basis 2021Gültig ab 2026
- Historisch: Basis 2015Verfügbar in STATcube
- Historisch: Basis 2010Verfügbar in .ods-Dateien
Nominelle und reale Umsatzentwicklung unterscheiden
Die beiden Größen können deutlich auseinanderlaufen – und sogar unterschiedliche Vorzeichen haben. Für Mai 2026 meldet Statistik Austria, dass der heimische Einzelhandel nominell um 0,5 % und real um 3,1 % weniger umsetzte als im Mai des Vorjahres. Der nominelle Wert misst die Umsatzentwicklung zu laufenden Preisen, der reale Wert ist um die Preisentwicklung bereinigt. Ein nomineller Rückgang bei real stärkerem Rückgang bedeutet, dass die Preise im betrachteten Segment gestiegen sind und den Mengenrückgang teilweise verdecken.
Das bestätigt auch der umgekehrte Fall: Im September 2025 setzte der österreichische Einzelhandel laut vorläufigen Daten nominell um 3,8 % mehr um als im Vorjahr. Wachstumsaussagen über Absatzmengen lassen sich daraus nicht direkt ableiten. Wer Umsatzziele, Margen oder Lagerumschlag steuert, braucht den realen Wert; wer steuerliche oder Finanzierungskennzahlen auf Basis tatsächlicher Zahlungsströme beurteilt, arbeitet mit dem nominellen.
Wichtig für die Quellenwahl: Der Umsatzindex wird nominell und unbereinigt publiziert. Reale Veränderungsraten kommen aus den kommentierten Einzelhandelsmeldungen, in denen beide Werte gegenübergestellt werden. Eine reale Reihe ist daher nicht durch einfaches Umrechnen der Indexdatei zu gewinnen, sondern muss aus der entsprechenden Veröffentlichung übernommen werden.
Nomineller vs. realer Umsatz im Einzelhandel – Mai 2026
- Nominell (laufende Preise)
- 0,5 %
- Real (preisbereinigt)
- 3,1 %
Von der Tabelle zur eigenen Auswertung
Detailergebnisse stehen als .ods-Dateien bereit, die sich in gängigen Tabellenkalkulationen öffnen und weiterrechnen lassen. Für den Handel sind das unter anderem die jährlichen Konjunkturdateien „Konjunktur Handel Umsatz“ für 2024, 2025 und 2026 sowie die entsprechenden Dienstleistungsdateien, dazu die Frühschätzung für den vorläufigen Einzelhandel. Für Industrie und Bau existieren getrennte Dateien je Basisperiode und je Markt (Gesamt, Inland, Auslandsmarkt, Eurozone, Nicht-Eurozone).
Für eigene, gefilterte Abfragen ist STATcube der zweite Weg: Es gibt eigene Einstiege für die Konjunkturindizes Handel (Basis 2021) und Dienstleistungen (Basis 2021) sowie für Industrie und Bau in den Basen 2021, 2015 und 2010. Für die Jahresdaten finden sich dort Einstiege zur Leistungs- und Strukturstatistik ab 2021 (getrennt nach statistischen Unternehmen, rechtlichen Einheiten und Arbeitsstätten) sowie zu den Wirtschaftskennzahlen ab 2021. Damit lassen sich Merkmale kombinieren, die in den fertigen .ods-Dateien nicht in jeder Kombination vorliegen.
Der dritte Zugang sind die Presseinformationen und methodischen Dokumentationen: Die PDF-Aussendungen zu einzelnen Berichtsmonaten liefern die Einordnung und den Datenstand, die Dokumentationen die methodischen Grundlagen. Beide ergänzen die Tabellen, ersetzen sie aber nicht – Zahlen für eigene Berechnungen sollten aus den .ods-Dateien oder STATcube stammen.
Häufige Stolpersteine bei Handelsumsatz-Zahlen
Vorläufige Werte als endgültig behandeln: Einzelhandelswerte kommen rund 30 Tage nach Monatsende und damit vor der endgültigen Rechnung; Industrie- und Bauwerte werden nach 70 Tagen revidiert und erst im September des Folgejahres endgültig. Wer einen vorläufigen Wert in ein Budget schreibt, sollte den Revisionspfad mitdenken und die Zahl beim nächsten Datenstand nachziehen.
Einzelhandel mit dem gesamten Handel verwechseln: Die Indexreihe für „Handel (G)“ umfasst den ganzen ÖNACE-Abschnitt G, die Presseaussendungen berichten hingegen vom Einzelhandel. Beide Zahlen können im selben Monat in unterschiedliche Richtungen zeigen, ohne dass ein Widerspruch besteht.
Unbereinigte Monatswerte direkt mit Jahreswerten vergleichen: Der Umsatzindex ist unbereinigt, die Leistungs- und Strukturstatistik ist eine Jahresgröße mit Jahresdurchschnittswerten bei den Beschäftigten. Ein Monatswert und ein Jahreswert derselben Branche messen Unterschiedliches.
Basisperioden vermischen: Basis 2021 ist aktuell, Basis 2025 folgt, historische Reihen laufen auf Basis 2010 und 2015. Weiters sind die Ergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik ab Berichtsjahr 2021 wegen konzeptioneller Änderungen mit 2020 und früher nur bedingt vergleichbar. Und schließlich: nominelle und reale Veränderungsraten nicht gegeneinander austauschen – im Mai 2026 hatten sie mit −0,5 % und −3,1 % deutlich unterschiedliche Werte.
Vorteile und Risiken bei der Nutzung von vorläufigen Daten
- VorteilSchnelle Verfügbarkeit für Planung und Berichterstattung
- NachteilKann sich bis zur endgültigen Veröffentlichung ändern – insbesondere bei Industrie und Bau
Kurz gesagt: Monatsdaten für Dynamik, Jahresdaten für Struktur
Monatsdaten aus dem Umsatzindex beantworten Fragen nach der kurzfristigen Entwicklung: Wie hat sich der Umsatz im Berichtsmonat gegenüber dem Vorjahresmonat verändert, nominell und – bei Einzelhandelsmeldungen – auch real. Jahresdaten aus der Leistungs- und Strukturstatistik beantworten Strukturfragen: Umsatzerlöse, Unternehmen, Beschäftigte und Arbeitsstätten nach ÖNACE-Bereichen, Größenklassen und NUTS-3-Regionen. Eine Marktanalyse braucht in der Regel beides, getrennt ausgewertet.
Als Routine für österreichische Handelsumsätze bietet sich diese Abfolge an: erstens die Frage festlegen (Dynamik oder Struktur), zweitens die passende Basis oder den passenden Datenbankeinstieg wählen (Umsatzindex Basis 2021 bzw. Leistungs- und Strukturstatistik ab 2021), drittens den Reifegrad prüfen (vorläufig, revidiert, endgültig) und den Datenstand notieren, viertens beim Umsatz gegen den Vorjahresmonat vergleichen und nominell von real trennen, fünftens bei längeren Zeitreihen Basiswechsel und den Bruch ab Berichtsjahr 2021 sichtbar kennzeichnen.
Schritte zur korrekten Auswertung von Handelsumsätzen
- Festlegung der FragestellungDynamik oder Struktur?
- Wahl der passenden DatenquelleUmsatzindex (Basis 2021) oder Leistungs- und Strukturstatistik (ab 2021)
- Prüfung des Reifegradvorläufig, revidiert, endgültig
- Vergleich gegen Vorjahresmonat (nicht Vormonat)
- Trennung von nominellen und realen Werten
- Kennzeichnung von Basiswechseln und Bruchstellen ab 2021
