
Frühindikatoren
Auftragseingänge und Produktion beobachten: Datenquellen für die Industrie
Eine eigenständige Auftragseingangsstatistik findet sich in den hier herangezogenen Statistik-Austria-Quellen nicht.
Auftragseingänge und Produktion: Suchintention und Quellenlage
Eine eigenständige Auftragseingangsstatistik findet sich in den hier herangezogenen Statistik-Austria-Quellen nicht. Belegt sind drei Datenangebote: der Produktionsindex für Industrie und Bau, der Index of Services Production (ISP) und die Leistungs- und Strukturstatistik. Hinzu kommt das WIFO als interpretierende Quelle. Beobachtbar sind damit die realisierte Produktionsleistung im Monatsrhythmus, die Wirtschaftsstruktur im Jahresrhythmus und deren Einordnung durch wirtschaftsforschende Analysen – nicht der Auftragsbestand selbst.
Praktisch heißt das: Der Produktionsindex gibt den monatlichen Takt vor und zeigt, ob die Produktion gegenüber dem Vorjahresmonat steigt oder fällt. Die Leistungs- und Strukturstatistik liefert die Größenordnung des eigenen Wirtschaftsbereichs – Unternehmen, Beschäftigte, Umsatzerlöse, Investitionen – und damit den Bezugsrahmen, der einen einzelnen Monatswert erst interpretierbar macht. Die WIFO-Publikationen ordnen in die nationale und internationale Entwicklung ein.
Alle drei Quellen gliedern nach ÖNACE 2008, der österreichischen Ausgabe der europäischen Wirtschaftszweigsystematik. Diese gemeinsame Gliederung erlaubt es, Produktionsdaten, Strukturdaten und Analysen auf denselben Wirtschaftsabschnitt zu beziehen statt auf unterschiedliche Abgrenzungen.
Produktionsindex: monatlicher Takt für Industrie und Bau
Der Produktionsindex bildet laut Statistik Austria die monatliche Entwicklung der realen Produktionsleistung in Österreich ab und ist damit eine wichtige Informationsquelle zur konjunkturellen Entwicklung. Er erscheint für Industrie und Bau, also die Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008. Ein Darstellungsbeispiel: Für Juli 2026 weist Statistik Austria einen arbeitstägig bereinigten Stand von 106,1 aus, um 1,1 % unter dem Wert von Juli 2025.
Aktuelle Basisperiode ist 2021; die nächste bezieht sich auf 2025. Ein Indexstand ist nur innerhalb einer Basisperiode aussagekräftig. Bei einem Basiswechsel werden die Zeitreihen neu berechnet; Werte aus verschiedenen Basisperioden sollten daher nicht unmittelbar nebeneinandergestellt werden. Statistik Austria veröffentlicht deshalb auch historische Reihen mit älteren Basisperioden (unter anderem Durchschnitt 2000 = 100, 2005 = 100, 2010 = 100, 2015 = 100).
Für die laufende Beobachtung stehen mehrere Varianten bereit: der Index insgesamt, arbeitstägig bereinigt – damit unterschiedlich viele Arbeitstage zwischen zwei Monaten die Aussage nicht verzerren – und saisonal bereinigt. Zusätzlich publiziert Statistik Austria den Produktionsindex je unselbstständig Beschäftigten und je geleisteten Arbeitstunden. Diese beiden Reihen helfen zu beurteilen, ob eine Produktionsveränderung aus mehr oder weniger geleisteten Arbeitsstunden oder aus einer veränderten Leistung je Stunde resultiert.
Produktionsindex für Industrie und Bau – Juli 2026 (arbeitstägig bereinigt)
- Juli 2026 — 106.1
Basisperiodenwechsel: Produktionsindex 2021 vs. 2025
- Aktuelle Basisperiode
- 2021
- Nächste Basisperiode
- 2025
- Hinweis auf Vergleichbarkeit
- Werte aus verschiedenen Basisperioden nicht direkt vergleichbar
Dienstleistungsproduktion als ergänzender Indikator
Der Index of Services Production (ISP) wird von Statistik Austria für Dienstleistungen publiziert, gegliedert nach den Abschnitten H, I, J, L, M (ohne Gruppe 70.1 bzw. Abteilungen 72 und 75) und N der ÖNACE 2008. Diese Auswahl ist eng: Der Handel (Abschnitt G) fehlt ebenso wie die nicht genannten Abschnitte. Der ISP ist daher kein gesamtwirtschaftliches Dienstleistungsbild, sondern ein auf ausgewählte Dienstleistungsabschnitte begrenzter Indikator.
Für Industriebetriebe wird der ISP in zwei Konstellationen relevant. Erstens, wenn das eigene Unternehmen Leistungen in diesen Abschnitten erbringt – etwa Verkehr und Lagerei, Beherbergung, Information und Kommunikation, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen. Zweitens, wenn Kunden oder Zulieferer in diesen Abschnitten tätig sind und ihre Produktionsentwicklung als Nachfrage- oder Angebotssignal dient.
Für die Interpretation entscheidend ist der Bereinigungsstand: In der veröffentlichten Übersicht weist Statistik Austria den ISP unbereinigt aus, im Beispiel für Juni 2026 mit +1,5 % gegenüber Juni 2025. Unbereinigte Werte enthalten saisonale und kalendarische Effekte; für Monatsvergleiche ist deshalb der Vorjahresvergleich aussagekräftiger als der Vergleich mit dem Vormonat. Neben dem ISP hält Statistik Austria im Bereich Konjunktur Dienstleistungen auch Umsatzdaten für 2024 bis 2026 in ODS-Dateien bereit.
Veränderung des Index of Services Production (ISP) – Juni 2026 (unbereinigt)
- Juni 2026 vs. Juni 2025 — +1,5 %
Leistungs- und Strukturstatistik: der strukturelle Rahmen
Die EU-weit harmonisierte Leistungs- und Strukturstatistik erlaubt laut Statistik Austria Aussagen über Struktur, Tätigkeit, Beschäftigung, Investitionstätigkeit und Leistung der Unternehmen auf nationaler und regionaler Ebene, gegliedert nach Wirtschaftsbereichen entsprechend der ÖNACE 2008. Sie liefert damit die Größenordnung, gegen die monatliche Produktionswerte gestellt werden können.
Für das Berichtsjahr 2024 weist Statistik Austria 628 058 Unternehmen, 3 800 813 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt und Umsatzerlöse von 1 021 414 029 Tausend Euro aus (rund 1,02 Billionen Euro). Das sind Ergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik 2024, erstellt am 30.06.2026.
Rechtsgrundlagen sind auf europäischer Ebene die Verordnung (EU) 2019/2152 über europäische Unternehmensstatistiken und die neue nationale Leistungs- und Strukturstatistik-Verordnung 2022. Beide bedingen konzeptionelle Änderungen ab dem Berichtsjahr 2021; Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2021 sind daher mit Vorperiodenergebnissen (Berichtsjahr 2020 und früher) nur bedingt vergleichbar. Wer lange Reihen für Trendvergleiche nutzt, muss diesen Bruch berücksichtigen.
Die Daten sind in mehreren Bezugsgrößen verfügbar: Hauptergebnisse für Unternehmen (statistische Unternehmen), für rechtliche Einheiten und für Arbeitsstätten – letztere nach NUTS-3-Regionen und ÖNACE-2008-Abschnitten. Innerhalb dieser Gruppen gibt es zusätzlich Auswertungen nach Umsatzgrößenklassen und Beschäftigtengrößenklassen sowie Vergleiche mit dem Vorjahr. Für regionale oder standortbezogene Fragen ist die Arbeitsstätten-Gliederung einschlägig, für Kennzahlen auf Unternehmensebene die Gliederung nach statistischen Unternehmen oder rechtlichen Einheiten.
Als Verwendungszwecke nennt Statistik Austria über die Beschreibung der nationalen Wirtschaftsstrukturen hinaus ausdrücklich Basisdaten zur Berechnung des Bruttoinlandsprodukts im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf nationaler und regionaler Ebene, für Input-Output-Tabellen sowie für Wirtschaftsprognosen.
Wichtige Kennzahlen aus der Leistungs- und Strukturstatistik 2024
- Beschäftigte im Jahresdurchschnitt (2024) — 3.800.813
WIFO-Monatsberichte: Analyse und Interpretation der Wirtschaftsentwicklung
Das WIFO – Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung – wurde 1927 gegründet und bezeichnet sich als Österreichs führendes Institut für angewandte Wirtschaftsforschung; nach eigener Beschreibung liefert es unabhängige, evidenzbasierte Analysen. Die WIFO-Monatsberichte veröffentlichen Forschungsergebnisse des WIFO und Beiträge zur nationalen und internationalen Wirtschaftsentwicklung.
Für die Beobachtung von Produktion und Auftragslage erfüllen die WIFO-Monatsberichte eine andere Funktion als Statistik Austria: Sie liefern keine eigenen Monatsindizes zum Abruf, sondern ordnen Entwicklungen in den nationalen und internationalen Zusammenhang ein. Sinnvoll ist die Kombination: zuerst den aktuellen Produktionsindexwert für den eigenen ÖNACE-Abschnitt aus den Statistik-Austria-Daten entnehmen, dann die WIFO-Analyse zur Frage heranziehen, ob die beobachtete Bewegung ein branchen- oder ein gesamtwirtschaftliches Muster ist.
Bei der Nutzung sind beide Quellen zu trennen: Zahlenwerte und ihre Definitionen stammen von Statistik Austria, Einschätzungen und Analysen vom WIFO. Eine WIFO-Analyse ersetzt keine eigene Auswertung der Indexdaten für den relevanten Abschnitt.
Datenzugang, Aktualität und Revisionen: So planen Sie die Beobachtung
Für Industrie und Bau veröffentlicht Statistik Austria 40 Tage nach Ende des Berichtsmonats vorläufige Ergebnisse, nach 70 Tagen revidierte Werte und im August des Folgejahres endgültige Ergebnisse. Für die Dienstleistungsproduktion publiziert Statistik Austria rund 60 Tage nach Ende des Berichtsmonats endgültige Daten. Diese drei Zeitpunkte bestimmen, welche Zahl wann belastbar ist.
Daraus folgen drei Planungsregeln. Erstens: Für die kurzfristige Beobachtung ist rund 40 Tage nach Monatsende mit vorläufigen Werten zu rechnen, die sich noch ändern können. Zweitens: Für interne Berichte, in denen die Zahl zitiert und weiterverarbeitet wird, ist der revidierte Stand nach 70 Tagen die geeignete Grundlage. Drittens: Für Jahresabschlussvergleiche, Vertragswerke oder längerfristige Zeitreihen sind die endgültigen Ergebnisse im August des Folgejahres heranzuziehen. Wer eine eigene Zeitreihe führt, sollte Vorjahreswerte nach jeder Revision nachziehen; sonst entstehen Wachstumsraten aus der Kombination unterschiedlicher Revisionsstände.
Zugangswege: Die Detailergebnisse sind auf der Statistik-Austria-Seite als ODS-Dateien abrufbar – für den Produktionsindex unter anderem eine Übersicht, eine arbeitstägig bereinigte und eine saisonal bereinigte Reihe sowie der Index je geleisteten Arbeitstunden und je unselbstständig Beschäftigten; für Dienstleistungen Konjunktur-Umsatzdaten 2024 bis 2026. Für eigene Auswertungen und Abfragen nach feineren Gliederungen stehen die STATcube-Datenbanken bereit (Produktionsindex Industrie & Bau, Basis 2021; Konjunkturindizes Dienstleistungen, Basis 2021; Leistungs- und Strukturstatistik ab 2021 für Unternehmen, rechtliche Einheiten und Arbeitsstätten sowie Wirtschaftskennzahlen). Methodische Erläuterungen stellt Statistik Austria unter Dokumentationen bereit; vor einem Basisperiodenwechsel – von 2021 auf 2025 – sind sie die maßgebliche Grundlage für die Frage, welche Reihen weiterverwendet werden können und welche neu aufgebaut werden müssen.
Zeitpunkte für Datenveröffentlichung bei Statistik Austria
- Vorläufige Ergebnisse (Industrie & Bau)40 Tage nach Monatsende
- Revidierte Werte (Industrie & Bau)70 Tage nach Monatsende
- Endgültige Ergebnisse (Industrie & Bau)August des Folgejahres
- Endgültige Daten (Dienstleistungsproduktion)ca. 60 Tage nach Monatsende
