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Preise

Erzeugerpreise einordnen: Bedeutung für Vorleistungen, Handel und Preisentwicklung

Die land- und forstwirtschaftliche Erzeugerpreisstatistik der Statistik Austria umfasst derzeit etwas mehr als 200 genau definierte tierische und pflanzliche Produkte.

Erzeugerpreise: Ab-Hof-Nettopreise der ersten Handelsstufe

Die land- und forstwirtschaftliche Erzeugerpreisstatistik der Statistik Austria umfasst derzeit etwas mehr als 200 genau definierte tierische und pflanzliche Produkte. Mit wenigen Ausnahmen wird für jedes Produkt ein gewogener Bundeslandpreis und ein Bundesdurchschnittspreis berechnet. Es handelt sich um Nettopreise der ersten Handelsstufe, also Ab-Hof-Preise ohne Umsatzsteuer und ohne Transportkosten. Verfügbar sind Monats- und Jahresdurchschnittspreise. Die Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML), der Agrarmarkt Austria (AMA), der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) und den Landeslandwirtschaftskammern in den Bundesländern.

Zwei Beispiele aus dem Jahresdurchschnitt 2025 zeigen, wie konkret die Werte aussehen: Jungstiere der Klasse E–P wurden mit 6,47 Euro pro Kilogramm ausgewiesen, Kuhmilch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß mit 56,07 Euro pro 100 Kilogramm – beide Werte gestiegen zum Vorjahr. Bei Schweinen, geschlachtet, Klasse S–P, beruhen die Werte auf Meldungen gemäß Agrarmarkttransparenzverordnung § 13 abzüglich der Vorkostenanteile (Transportkosten). Solche Abzüge zeigen: Der publizierte Erzeugerpreis darf nicht mit dem tatsächlich am Betrieb ankommenden Betrag gleichgesetzt werden.

Die Abgrenzung zu Endverbraucherpreisen ist zentral: Ein Erzeugerpreis beschreibt, was die erste Handelsstufe für das Produkt zahlt – Verarbeitung, Handelsspanne, Verpackung, Steuern und Transport sind nicht enthalten. Die Erzeugerpreise sind eine wichtige Grundlage zur Berechnung des Produktionswertes der einzelnen Produktsparten im Rahmen der Land- und forstwirtschaftlichen Gesamtrechnung sowie zur Erstellung der Agrarpreisindizes. Wer den Erzeugerpreis mit dem Verbraucherpreisindex oder dem Regalpreis vergleicht, vergleicht zwei unterschiedliche Ebenen mit unterschiedlichen Bezugsgrößen.

Wichtige Erzeugerpreise im Jahresdurchschnitt 2025

  • 6,47Jungstiere Klasse E–P
  • 4,2%Kuhmilch ( % Fett, 3,4 % Eiweiß) — 56,07 €/100 kg

Vorleistungen: Wenn Energie, Futter und Dünger den Erzeugerpreis unter Druck setzen

Die Kostenseite der Landwirtschaft hängt unmittelbar an den Energiemärkten. Das WIFO hielt fest, dass aufgrund der hohen Preise von Rohöl und Erdgas die Produktionskosten von Vorleistungsgütern der Landwirtschaft in kurzer Zeit erheblich stiegen. Betroffen sind Vorleistungen wie Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Treibstoff, deren Herstellung und Transport energieintensiv ist. Für Betriebe folgt daraus: Vorleistungskosten und Erzeugerpreise können sich unterschiedlich schnell und aus unterschiedlichen Ursachen bewegen. Ein Anstieg der Energiekosten schlägt auf die Ausgabenseite durch, noch bevor sich der eigene Erlös pro Produkteinheit verändert.

Im Milchmarkt entscheiden mehrere Faktoren gleichzeitig über die Preisspielräume. Laut Landwirtschaftskammer Steiermark war das Milchangebot seit Herbst 2021 knapp, und die Erzeugerpreise erreichten Höchststände; die österreichischen Milchbauern waren dank guter Grundfutterqualitäten in der Lage, die Gunst der Stunde zu nutzen. Die Grundfutterqualität wirkte auf die produzierbare Menge und die Inhaltsstoffe, während Angebot und Nachfrage über den Preis bestimmten. Genau in dieser Trennung liegt die praktische Konsequenz: Wer nur den Erzeugerpreis beobachtet, sieht Kostensteigerungen bei Futter, Dünger und Energie zu spät. Sinnvoll ist es, Ausgaben je produzierter Einheit (etwa Futterkosten je Kilogramm Milch) und Erlös je Einheit getrennt zu erfassen und einander gegenüberzustellen.

Handel: Rabatte, Eigenmarken und der Druck auf die Erzeugerpreise

Die Weitergabe von Preisentwicklungen verläuft über den Lebensmitteleinzelhandel. In Österreich und Europa stagnierte 2023 der Absatz von Milchprodukten; durch die Teuerung war ein deutlicher Rückgang bei Premium- und Markenprodukten bemerkbar. Rabattaktionen im Lebensmitteleinzelhandel wurden genutzt, um Konsumentinnen und Konsumenten zu locken. Durch den steigenden Eigenmarkenanteil gerieten die Molkereien und folglich auch die Milchbauern unter Druck. Die Kette lautet: Verschiebung hin zur Eigenmarke – geringerer Preisspielraum der Molkerei – geringerer Auszahlungspreis an die Betriebe.

Die Größenordnung dieses Effekts lässt sich am steirischen Milchpreis ablesen. Seit Jahresbeginn 2023 wurde der durchschnittliche Erzeugermilchpreis für gentechnikfreie Qualitätsmilch in der Steiermark um 10,9 % oder 5,95 Cent netto pro Kilogramm Milch reduziert. Im Mai wurden zwischen 47,60 und 52,50 Cent netto für GVO-freie Qualitätsmilch an die steirischen Milchviehbetriebe ausbezahlt, mit Juni folgten weitere Preisreduktionen. Im Spezialmilchsegment kam es bereits zu Reduktionen der Bio-Milch-Zuschläge. Das zeigt die Reihenfolge der Betroffenheit: Zuschläge für besondere Qualitäten und Segmente geraten unter Druck, sobald der Handel über den Preis verhandelt.

Preisentwicklung: Warum sinkende Erzeugerpreise nicht automatisch bei Konsument:innen ankommen

Erzeugerpreise und Verbraucherpreise laufen zeitlich versetzt. Das Momentum Institut hielt im November 2023 fest, dass die Erzeugerpreise in der Industrie seit Juli sinken – im September 2023 zuletzt um 5,7 % im Vergleich zum Vorjahresmonat –, die Entlastung aber bei Verbraucherinnen und Verbrauchern noch nicht ankommt. Der Grund liegt in der mehrstufigen Kette zwischen Erzeugung und Regal: Lagerbestände werden zuerst abverkauft, Lieferverträge laufen über längere Zeiträume, und Handels- sowie Dienstleistungskosten (etwa Löhne und Mieten) entwickeln sich unabhängig von den vorgelagerten Preisen. Erzeugerpreise sind daher ein Vorlaufindikator, keine Ankündigung desselben Verbraucherpreises im gleichen Monat.

Am Milchmarkt lässt sich auch die umgekehrte Richtung nachvollziehen. Im ersten Quartal 2023 war das Milchaufkommen in der EU um 0,6 % höher als im Vorjahreszeitraum, was einer Menge von 0,2 Millionen Tonnen Milch entspricht; das Exportangebot der wichtigsten globalen Exportländer nahm in den ersten drei Monaten 2023 um 0,7 % gegenüber dem Vorjahresniveau zu. Im April und Mai wurde auf der Nordhalbkugel zusätzlich die saisonale Höchstmenge produziert. Seit Jahresbeginn folgten die heimischen Erzeugerpreise dem globalen rückläufigen Trend. Für die Betriebsplanung bedeutet das: Mengen- und Angebotsindikatoren – EU-Anlieferung, Exportangebot, Saisonverlauf – signalisieren Preisänderungen früher als der eigene Auszahlungspreis, der mit Verzögerung nachzieht.

Entwicklung der Erzeugerpreise für Kuhmilch in Österreich (2023–2025)

  • 2023Januar — Erzeugerpreis in Steiermark um 10,9 % reduziert gegenüber Vorjahr
  • 2023September — Industriepreise sinken um 5,7 % im Vergleich zum Vorjahr
  • 2025Jahresdurchschnitt — Kuhmilch (4,2 % Fett, 3,4 % Eiweiß): 56,07 Euro pro 100 kg

Erzeugerpreise und Verbraucherpreise: Unterschiede in der Preisentwicklung

  • 2023Erzeugerpreis (Milch, ) — Rückgang seit Januar 2023 (bis zu -10,9 % in Steiermark)
  • 2023Verbraucherpreis (Milchprodukte, ) — Stagnation, keine Entlastung bei Konsument:innen trotz sinkender Erzeugerpreise

Regionale Unterschiede: Vorleistungsnachfrage und Preisdaten nach Bundesland

Die Erzeugerpreisstatistik wird regional gewogen: Für die erfassten Produkte werden, mit wenigen Ausnahmen, gewogene Bundeslandpreise und daraus ein Bundesdurchschnittspreis berechnet. Der Bundesdurchschnitt ist deshalb ein Aggregat und keine für jeden Betrieb zutreffende Größe; der Bundeslandwert zeigt, wie stark eine Region vom Durchschnitt abweicht. Wer Preisreihen liest, sollte zuerst prüfen, ob der Wert für das eigene Bundesland oder für Österreich insgesamt ausgewiesen ist.

Parallel dazu wird die Nachfrage nach Vorleistungen regional analysiert. Ein Teilprojekt der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) mit dem Titel „Die regionale Nachfrage nach Vorleistungen in der österreichischen Landwirtschaft“ (2022) hat zum Ziel, einen Analysedatensatz zu erstellen, der eine detaillierte und differenzierte Darstellung der regionalen Vorleistungsnachfrage erlaubt. Solche Daten sind nützlich, wenn regionale Preisinformationen mit der regionalen Betriebsstruktur zusammengeführt werden – also mit der Frage, welche Produktionsrichtungen in einer Region dominieren und welche Vorleistungen dort tatsächlich nachgefragt werden.

Dass regionale Preisangaben eigenständige Aussagekraft haben, zeigt das Beispiel Steiermark: Für gentechnikfreie Qualitätsmilch wurden im Mai 2023 zwischen 47,60 und 52,50 Cent netto pro Kilogramm an die steirischen Milchviehbetriebe ausbezahlt, nach einem Rückgang von 10,9 % seit Jahresbeginn. Diese Werte gelten für die Steiermark und sind nicht automatisch auf andere Bundesländer übertragbar, weil sich Anlieferungsmengen, Molkereistruktur und Produktsegmente unterscheiden. Regionale Preisdaten sind damit eine Prüfgröße gegen den Bundesdurchschnitt, nicht dessen bloße Wiederholung.

Regionale Unterschiede: Erzeugerpreise für Qualitätsmilch in Österreich (Mai 2023)

  1. Österreich (Bundesdurchschnitt) — Nicht verfügbar für Mai 2023 (nur regionale Daten)

Lesehilfe: Erzeugerpreise richtig einordnen

Vor jeder Interpretation sind drei Definitionen zu prüfen. Erstens die Preisbasis: Erzeugerpreise sind Nettopreise der ersten Handelsstufe, Ab-Hof, ohne Umsatzsteuer und ohne Transportkosten; bei Schweinen, geschlachtet, Klasse S–P, werden laut Agrarmarkttransparenzverordnung § 13 die Vorkostenanteile (Transportkosten) abgezogen. Zweitens der Zeitbezug: Monatswerte zeigen saisonale Muster, Jahresdurchschnittswerte den Trend – beide sind verfügbar und dürfen nicht vermischt werden. Drittens die Produktdefinition: Kuhmilch wird mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß geführt, Mahlweizen mit einem Proteinanteil von mindestens 12,5 %; weicht die eigene Ware von diesen Definitionen ab, ist der publizierte Preis nur eingeschränkt vergleichbar.

Für den Vergleich mit betrieblichen Zahlen ist die Ebenentrennung entscheidend. Der Erzeugerpreis ist nicht der Kassaerlös und nicht der Regalpreis; er dient als Grundlage zur Berechnung des Produktionswertes der einzelnen Produktsparten im Rahmen der Land- und forstwirtschaftlichen Gesamtrechnung und zur Erstellung der Agrarpreisindizes. Wer Entlastung oder Belastung für Konsumentinnen und Konsumenten beurteilen will, braucht zusätzlich die Verbraucherpreisentwicklung, weil die Weitergabe über mehrere Stufen mit Verzögerung erfolgt. Zeitreihen für Österreich stehen in STATcube ab 1998 zur Verfügung; die Detailergebnisse werden als Tabellen je Jahr sowie als Mehrjahresübersicht veröffentlicht.

Zur Datenbasis und zu den Grenzen: Die Erzeugerpreiserhebung erfolgt in Zusammenarbeit von Statistik Austria mit BML, AMA, LKÖ und den Landeslandwirtschaftskammern; sie stützt sich damit auf Land- und Forstwirtschaft, amtliche Statistik und Marktbeobachtung. Die Reihe beschreibt gewogene Durchschnittspreise definierter Produkte und Bundesländer, nicht einzelbetriebliche Abschlüsse. Sie ersetzt daher weder die eigene Abrechnung noch Preisverhandlungen mit Abnehmern, liefert aber die Vergleichsfolie, an der sich betriebliche Erlöse und regionale Abweichungen messen lassen.

Vorteile und Grenzen der Erzeugerpreisstatistik

  • VorteileGewogene Durchschnittspreise nach Bundesländern, Basis für Agrarpreisindizes und Produktionswertberechnung, transparente Quellen (Statistik Austria, BML, AMA, LKÖ)
  • GrenzenKeine Einzelbetriebsdaten, nicht identisch mit Kassaerlös oder Regalpreis, zeitlich verzögerte Weitergabe an Verbraucher:innen, regionale Abweichungen können erheblich sein

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