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Konsumausgaben der Haushalte auswerten: Quellen und Abgrenzungen

Im Zentrum jeder Konsumauswertung stehen die Verbrauchsausgaben privater Haushalte.

Konsumausgaben, Verbrauchsausgaben, Lebenshaltungskosten: Wo die Grenzen verlaufen

Im Zentrum jeder Konsumauswertung stehen die Verbrauchsausgaben privater Haushalte. Statistik Austria erhebt sie in der Konsumerhebung und weist sowohl die Ausgabensummen als auch ihre Verteilung auf einzelne Ausgabengruppen aus. Vor der Auswertung ist festzulegen, ob die Summe, die Struktur oder beides betrachtet wird – je nach Frage fallen die Ergebnisse anders aus.

„Lebenshaltungskosten“ sind keine eigene statistische Kategorie, sondern eine pragmatische Sammelbezeichnung für die gesamten Ausgaben privater Haushalte für laufende Bedürfnisse. Praktisch deckt sich der Begriff mit den privaten Konsumausgaben. Typische Posten sind Mietzins oder Raten für ein Hausdarlehen, Lebensmittel, Internetzugang sowie Ausgaben für Hobbys und Sport.

Nicht zum laufenden Konsum gehören Zahlungen für Versicherungen und Sozialabgaben – etwa Beiträge zur Pensions- oder Haftpflichtversicherung. Sie zählen daher nicht zu den reinen Lebenshaltungskosten. Für den persönlichen Haushaltsplan sind sie einzuplanen, in einer Konsumauswertung nach statistischer Definition aber nicht. Wer die Grenze anders zieht, kommt auf zu hohe Konsumsummen. Statistik Austria dokumentiert die genaue Zuordnung in „Konsumerhebung 2024/25 – Begriffe und Definitionen“ und „Konsumerhebung 2024/25 – Ausgabenklassifikation“.

Die Konsumerhebung als Referenzquelle für österreichische Haushalte

Die Konsumerhebung erhebt alle fünf Jahre Verbrauchsausgaben und Daten zum Lebensstandard privater Haushalte in Österreich. Sie ist eine Stichprobenerhebung bei zufällig ausgewählten Haushalten; die aktuelle Erhebung lief von Ende April 2024 bis Ende Mai 2025. Die Ergebnisse zeigen Konsumgewohnheiten der Haushalte und die Lebenssituation unterschiedlicher sozialer Gruppen.

2024/25 liegt die erste Konsumerhebung vor, die nach der EU-Verordnung 2019/1700 durchgeführt wurde. Diese Verordnung verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten, Daten zum Verbrauch privater Haushalte einheitlich zu erheben. Für Auswertungen ist das relevant, weil die nationale Erhebung damit methodisch an die europäische Erhebung angebunden ist; Details zu Stichprobe und Ablauf enthält die „Kurzinformation zur Erhebung“ (PDF).

Beim Datenstand ist Vorsicht angebracht: Die Haupttabellen der Konsumerhebung 2024/25 wurden am 24.02.2026 erstellt; im Laufe des Jahres 2026 kommen auf der Website weitere Tabellen und Analysen hinzu. Wer einen Stand zitiert, sollte das Erstellungsdatum nennen. Für Euro-Werte gilt zudem eine Rundungsregel: Beträge ab 1 000 Euro sind auf Zehner, Beträge unter 1 000 Euro auf Einer gerundet – Summen aus gerundeten Einzelwerten können daher geringfügig von ausgewiesenen Tabellensummen abweichen. Für Detailauswertungen stehen die Hauptergebnisse als .ods-Datei und ein Factsheet zu den Ausgabenperzentilen bereit.

Wofür welche Auswertung taugt: Konsumerhebung, Warenkorb und VGR

Die Konsumerhebung hat laut Statistik Austria drei Verwendungen, die zu unterscheiden sind: Erstens geben die Ergebnisse Auskunft über Konsumgewohnheiten der Haushalte und die Lebenssituation unterschiedlicher sozialer Gruppen. Zweitens sind die erhobenen Ausgabensummen und ihre Verteilung eine wichtige Datenbasis für die Neugewichtung des Warenkorbs der Verbraucherpreisindizes (VPI/HVPI). Drittens dienen sie als Analyseinstrument zur Validierung der Ergebnisse des privaten Konsums der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Daraus folgt: Für Verteilungs- und Sozialfragen – wer gibt wie viel wofür aus – ist die Konsumerhebung selbst die richtige Basis, einschließlich der Ausgabenperzentile. Für die Gewichte, mit denen Preisänderungen in den Verbraucherpreisindex einfließen, ist nicht die Ausgabenstruktur als solche maßgeblich, sondern die daraus abgeleitete Warenkorbgewichtung. Für gesamtwirtschaftliche Konsumaggregate bleibt die VGR die Referenz; die Konsumerhebung validiert diese Ergebnisse, ersetzt sie aber nicht.

Für den EU-Vergleich ist Eurostat zuständig. Laut Eurostat machten Ernährung und alkoholfreie Getränke EU-weit 2024 13,2 Prozent aus; eine Eurostat-Erhebung für 2022 zeigt Österreich auf Platz vier der Länder mit den geringsten Anteilen von Lebensmitteleinkäufen an den Gesamtausgaben. Wer österreichische Zahlen europäisch einordnet, sollte harmonisierte Eurostat-Daten verwenden und nicht nationale Erhebungsstände verschiedener Jahre gegenüberstellen.

Haushaltsausgaben und Äquivalenzausgaben: zwei Zahlen, zwei Aussagen

Die Konsumerhebung 2024/25 weist zwei zentrale Durchschnittswerte aus: 4 170 Euro monatliche Haushaltsausgaben und 2 760 Euro monatliche Äquivalenzausgaben. Beide beruhen auf denselben Daten, unterscheiden sich aber in der Bezugsgröße – einmal der Haushalt als Ganzes, einmal eine gewichtete Personenzahl.

Die Äquivalenzausgaben folgen der EU-Skala: erste erwachsene Person = 1, jede weitere Person ab 14 Jahren = 0,5, Kinder unter 14 Jahren = 0,3. Ein Haushalt aus zwei Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren hat daher ein Gewicht von 1,8; ein Einpersonenhaushalt 1,0. Das Verhältnis 4 170 zu 2 760 Euro entspricht rechnerisch einem durchschnittlichen Haushaltsgewicht von rund 1,5 – also etwa dem in den Ergebnissen genannten Haushalt mit rund zwei Personen.

Für die Auswertung heißt das: Budgetfragen – was kostet ein Haushalt im Monat – beantworten die Haushaltsausgaben. Wer Haushalte unterschiedlicher Größe oder Wohlstandsniveaus vergleicht, verwendet die Äquivalenzausgaben, weil sie die Größenvorteile des gemeinsamen Wirtschaftens im Haushalt berücksichtigen. Wer beide Zahlen mischt oder die Differenz als Sparleistung deutet, vergleicht zwei unterschiedliche Bezugsgrößen.

Monatliche Durchschnittsausgaben pro Haushalt und Äquivalenzausgaben (2024/25)

  • 4170Haushaltsausgaben
  • 2760Äquivalenzausgaben

Ausgabenstruktur und Zeitvergleich: Anteile lesen statt Bauchgefühl

Die Verteilung der Haushaltsausgaben auf Ausgabengruppen zeigt eine klare Rangfolge: Wohnen und Energie 26,4 Prozent (rund 1 100 Euro), Verkehr 13,6 Prozent (567 Euro), Ernährung und alkoholfreie Getränke 11,6 Prozent (484 Euro), Freizeit, Sport und Kultur 11,4 Prozent (475 Euro), Gastronomie und Beherbergung 6,6 Prozent (276 Euro). Bezugsgröße sind die 4 170 Euro durchschnittlicher Monatsausgaben eines Haushalts mit rund zwei Personen. Die 484 Euro für Ernährung und alkoholfreie Getränke werden in der Branchenkommunikation als Lebensmitteleinkäufe bezeichnet; die Ausgabengruppe umfasst aber mehr als den reinen Lebensmitteleinkauf.

Für den Vergleich mit der Konsumerhebung 2019/20 ist ein methodischer Schritt unverzichtbar: Die Ausgaben der Erhebung 2019/20 wurden in COICOP18 umgeschlüsselt; erst danach lassen sich die Gruppen einander zuordnen. Ohne diese Umschlüsselung sind Anteile nicht vergleichbar. Im Fünfjahreszeitraum stiegen die gesamten Haushaltsausgaben um 28,3 Prozent; im selben Zeitraum stieg die Teuerung laut Verbraucherpreisindex um 26,9 Prozent, der Tariflohnindex um 26,2 Prozent.

Anteilsveränderungen und Niveauveränderungen sind getrennt zu lesen. Sinkt der Anteil einer Gruppe, während die Gesamtausgaben steigen, sagt das nur etwas über die relative Bedeutung im Budget, nichts über die absoluten Ausgaben für diese Gruppe. Wer Belastungen beurteilen will, braucht Euro-Beträge oder Perzentilwerte – Statistik Austria stellt dafür ein Factsheet zu den Ausgabenperzentilen und eines zum Zeitvergleich bereit. Wer nur Prozentanteile betrachtet, verwechselt Struktur mit Niveau.

Grenzen der Aussagekraft und typische Fehlschlüsse

Die Konsumerhebung ist eine Stichprobenerhebung bei zufällig ausgewählten Haushalten, keine Vollerhebung. Ihre Durchschnittswerte beschreiben die Gesamtheit der privaten Haushalte, nicht einzelne Haushalte; für die Belastung eines konkreten Haushaltstyps sind die Ausgabenperzentile heranzuziehen. Prozentanteile allein sagen nichts über die absolute Belastung – nur darüber, welcher Teil des Gesamtbudgets auf eine Gruppe entfällt.

Wie schnell aus Anteilen falsche Schlüsse werden, zeigt die Interpretation der Ernährung: Der Anteil der monatlichen Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke sank von 12,1 Prozent (2019/20) auf 11,6 Prozent (2024/25). Katharina Koßdorff vom Fachverband der Lebensmittelindustrie liest das als Widerlegung der verbreiteten Meinung, Lebensmittel seien der Haupttreiber der Teuerung, und verweist auf den EU-Vergleich: Laut Eurostat machten Ernährung und alkoholfreie Getränke 2024 EU-weit 13,2 Prozent aus, in Österreich nur 10,2 Prozent. Die beiden Österreich-Werte – 11,6 Prozent laut Konsumerhebung 2024/25 und 10,2 Prozent laut Eurostat – stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und Bezugsjahren und sind nicht direkt gleichzusetzen.

Aus Anteilen lässt sich kein Verursacher von Preissteigerungen ableiten: Ein Anteil ergibt sich aus Preisen, Mengen und dem Gesamtbudget und identifiziert keinen Preistreiber. Laut Branchendarstellung bleiben die Wohn- und Energiekosten die größten Belastungen der Haushalte. Auch Zeitvergleiche sind an ihren Zeitraum gebunden: Eine Berechnung des Momentum-Instituts zeigte für 2022 einen Rückgang des privaten Konsums in Österreich um 0,8 Prozent gegenüber 2019 (EU: plus 0,6 Prozent), pro Kopf und unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums sogar um 4,0 Prozent (EU: minus 2,0 Prozent), und wertete dies als Argument gegen eine nachfragegetriebene Inflation. Solche Befunde gelten für den untersuchten Zeitraum und den damaligen Datenstand und lassen sich nicht ungeprüft auf spätere Jahre übertragen.

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